Perioperative Schmerztherapie mit Nichtopioidanalgetika

DGSS/DGAI/DGCH · 2021 · Deutschland

Quelle und Lizenz

Autorinnen und Autoren
Ulrike M. Stamer, Joachim Erlenwein, Stephan M. Freys et al.
Titel
Perioperative Schmerztherapie mit Nichtopioidanalgetika
Zeitschrift
Der Chirurg; Zeitschrift Fur Alle Gebiete Der Operativen Medizen, 2021
Lizenz
CC BY 4.0
Änderungen
Auszüge im Originalwortlaut, Formatierung angepasst

Volltext abgerufen am 2026-10-27 aus Europe PMC · PMC8241738

Lizenzhinweis der Originalpublikation

Open Access Dieser Artikel wird unter der Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz veröffentlicht, welche die Nutzung, Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung und Wiedergabe in jeglichem Medium und Format erlaubt, sofern Sie den/die ursprünglichen Autor(en) und die Quelle ordnungsgemäß nennen, einen Link zur Creative Commons Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden. Die in diesem Artikel enthaltenen Bilder und sonstiges Drittmaterial unterliegen ebenfalls der genannten Creative Commons Lizenz, sofern sich aus der Abbildungslegende nichts anderes ergibt. Sofern das betreffende Material nicht unter der genannten Creative Commons Lizenz steht und die betreffende Handlung nicht nach gesetzlichen Vorschriften erlaubt ist, ist für die oben aufgeführten Weiterverwendungen des Materials die Einwilligung des jeweiligen Rechteinhabers einzuholen. Weitere Details zur Lizenz entnehmen Sie bitte der Lizenzinformation auf http://creativecommons.org/licenses/by/4.0/deed.de.

Diese Seite gibt Auszüge der Originalpublikation wieder; maßgeblich ist das Original. Sie ist nicht ärztlich geprüft, gibt keine Empfehlung von Medelix wieder und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Leitlinie kann inzwischen aktualisiert worden sein.

Originalpublikation öffnen →Volltext bei Europe PMC

Empfehlungen

Im Originalwortlaut, mit Empfehlungsgrad oder Konsensstärke, soweit angegeben.

I. Allgemeine Empfehlungen

  • NOPA sollten Bestandteil eines multimodalen perioperativen Analgesiekonzeptes sein. Bei Operationen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit mit stärkeren postoperativen Schmerzen verbunden sind und bei denen eine systemische Analgesie postoperativ geplant ist, können NOPA prä- bzw. intraoperativ unter Beachtung der Kontraindikationen gegeben werden.
  • Entsprechend der Gegenanzeige laut Fachinformation sollen Patienten mit kardiovaskulären Vorerkrankungen perioperativ keine NSAID erhalten.
  • Im Rahmen eines perioperativen Analgesieregimes können NOPA verschiedener Substanzgruppen miteinander kombiniert werden.

II. Präoperative Evaluation und Planung der Schmerztherapie

  • Im Rahmen der anästhesiologischen und chirurgischen Anamnese und Aufklärung soll auch eine Schmerz- und Analgetikaanamnese durchgeführt werden.
  • Im Rahmen der anästhesiologischen Anamnese und Aufklärung sollen Patienten mit einem Risiko für starke postoperative Schmerzen und einem Risiko für die Entwicklung chronischer postoperativer Schmerzen identifiziert werden.
  • Im Rahmen der präoperativen Patientenaufklärung sollte die perioperative Analgesie in Zusammenarbeit mit dem Patienten geplant werden.
  • Die Patienteninformation und -aufklärung sollte das Nutzen-Risiko-Verhältnis der Gabe von NOPA und möglicher Alternativen, den Informationsbedarf des Patienten und einen möglichen „Noceboeffekt“ berücksichtigen.

III. NOPA prä- und intraoperativ

  • Die prä- bzw. intraoperative Gabe eines NOPA soll zeitlich so geplant werden, dass nach Ende einer Allgemeinanästhesie beim wachen Patienten analgetisch wirksame Plasmakonzentrationen erreicht werden.
  • Bei Operationen mit einem Risiko für größere Blutverluste soll – unabhängig von der Nierenfunktion – prä- bzw. intraoperativ kein NSAID gegeben werden.
  • Bei Patienten mit vorbestehender eingeschränkter Nierenfunktion soll generell kein NSAID perioperativ gegeben werden.

IV. NOPA postoperativ

  • NOPA sollen nur für einen begrenzten Zeitraum gegeben werden.
  • Die Therapie mit NOPA soll in einem abteilungsübergreifenden Behandlungsstandard hinterlegt werden. Es soll ein Konzept mit NOPA der ersten, zweiten und dritten Wahl und die Umstellung von einer festen Tagesdosis auf eine Bedarfsmedikation bis zum Absetzen der Analgetika festgelegt werden.
  • Bei Entlassung aus dem Krankenhaus soll der nachbehandelnde Arzt zu perioperativ gegebenen und aktuell noch eingenommenen Analgetika schriftlich informiert werden.
  • Patienten sollen zu möglichen Nebenwirkungen der Analgetika und ihrer Symptome, die auch nach Krankenhausentlassung auftreten können, und entsprechenden Verhaltensweisen informiert werden.

Zusammenfassung

Hintergrund: Nichtopioidanalgetika werden bei vielen Patienten zur perioperativen Analgesie eingesetzt. Zu einigen praktischen Fragen beim Einsatz von Nichtopioidanalgetika liegen z. T. nur wenig Informationen aus Studien vor, und in Krankenhäusern existieren häufig keine Konzepte zum Vorgehen, z. B. zur Patientenaufklärung und zum Zeitpunkt der perioperativen Gabe.

Methodik: Eine Expertengruppe der beteiligten Fachgesellschaften hat konsensbasierte Empfehlungen zum perioperativen Einsatz von Nichtopioidanalgetika erarbeitet und in einem strukturierten formalen Konsensusprozess verabschiedet.

Ergebnisse: Die Arbeitsgruppe stimmt überein, dass Nichtopioidanalgetika Bestandteil eines perioperativen multimodalen Analgesiekonzepts sein sollen und Patienten präoperativ über Nutzen, Risiken und alternative Behandlungsmöglichkeiten aufgeklärt werden sollen. Die präoperative Patienteninformation und -edukation soll auch eine Schmerz- und Analgetikaanamnese umfassen und Patienten mit Risikofaktoren für starke Schmerzen und eine Schmerzchronifizierung sollen identifiziert werden. Unter Berücksichtigung von Kontraindikationen können Nichtopioidanalgetika abhängig von der Operationsdauer auch schon prä- oder intraoperativ gegeben werden, um nach Beendigung der Anästhesie ausreichende Plasmakonzentrationen zu erzielen. Nichtopioidanalgetika oder Kombinationen von (Nichtopioid‑)Analgetika sollen nur für einen begrenzten Zeitraum gegeben werden. Ein gemeinsam erarbeiteter abteilungsübergreifender Behandlungsstandard mit dem Nichtopioidanalgetikum erster Wahl, weiteren Therapieoptionen sowie adäquaten Dosierungen, ergänzt durch eingriffsspezifische Konzepte, soll schriftlich hinterlegt werden. Bei Entlassung aus dem Krankenhaus soll der nachbehandelnde Arzt zu perioperativ gegebenen und aktuell noch eingenommenen Analgetika schriftliche Informationen erhalten. Patienten sollen zu möglichen Nebenwirkungen der Analgetika und ihrer Symptome, die auch nach Krankenhausentlassung auftreten können, und die befristete Einnahmedauer informiert werden.

Schlussfolgerung: Die Anwendung von Nichtopioidanalgetika soll als Bestandteil eines perioperativen multimodalen Analgesiekonzepts mit klaren Vorgaben zu Indikationen, Kontraindikationen, Dosierungen und Behandlungsdauer in einem abteilungsübergreifenden Behandlungsstandard schriftlich hinterlegt werden.

Zusatzmaterial online: Die Offenlegung von Interessen ist in der Online-Version dieses Artikels (10.1007/s00104-021-01421-w) enthalten.

Inhalt der Originalpublikation

Die Kapitelüberschriften des Originals.

  • Methodik
  • Hintergrund
  • Nebenwirkungen und kardiovaskuläres Risiko der NOPA
  • Paracetamol
  • Metamizol
  • Traditionelle NSAIDs und Coxibe
  • Kardiovaskuläres Risiko
  • Interaktionen von NOPA mit ASS (Acetylsalicylsäure)
  • I. Allgemeine Empfehlungen
  • 1. Indikation für NOPA
  • 2. NOPA und kardiovaskulären Vorerkrankungen
  • 3. Kombination von NOPA
  • II. Präoperative Evaluation und Planung der Schmerztherapie
  • 1. Anamnese
  • 2. Risikopatienten identifizieren
  • 3. Präoperative Planung der perioperativen Analgesie
  • 4. Präoperative Patienteninformation zu NOPA
  • III. NOPA prä- und intraoperativ
  • 1. Zeitpunkt der prä- und intraoperativen Gabe von NOPA
  • 2. Intraoperative Hypovolämie und Nierenfunktion
  • IV. NOPA postoperativ
  • 1. Anwendungsdauer der NOPA postoperativ
  • 2. Abteilungsübergreifender Behandlungsstandard mit NOPA
  • 3. Information an den nachbehandelnden Arzt
  • 4. Informationspflicht des Arztes
  • Zusammenfassung der Empfehlungen
  • I. Allgemeine Empfehlungen
  • II. Präoperative Evaluation und Planung der Schmerztherapie
  • III. NOPA prä- und intraoperativ
  • IV. NOPA postoperativ

Eine Frage zu dieser Leitlinie?

Medelix beantwortet klinische Fragen aus Leitlinien und Studien – jede Aussage mit Quelle.

Du bist Rechteinhaberin oder Rechteinhaber und mit dieser Wiedergabe nicht einverstanden? Schreib uns an contact@medelix.ai – wir nehmen die Seite umgehend offline. Impressum