Diagnostik und Therapie bei Schwindel
Swiss-led interdisciplinary DACH group · 2025 · Schweiz
Quelle und Lizenz
- Autorinnen und Autoren
- Alexander Andrea Tarnutzer, Hassen Kerkeni, Suzie Diener et al.
- Titel
- Diagnostik und Therapie bei Schwindel
- Zeitschrift
- Hno, 2025
- Lizenz
- CC BY 4.0
- Änderungen
- Auszüge im Originalwortlaut, Formatierung angepasst
Volltext abgerufen am 2026-10-27 aus Europe PMC · PMC12185573
Lizenzhinweis der Originalpublikation
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Empfehlungen
Im Originalwortlaut, mit Empfehlungsgrad oder Konsensstärke, soweit angegeben.
Anamnese
- Empfehlung 1Priorität sollte die Suche nach gefährlichen akuten Schwindelursachen haben und dabei auf neurologische (z. B. Doppelbilder, [Hemi-]ataxie, Paresen, Dysarthrie), otologische (Ohrenschmerzen, Hörminderung) und kardiovaskuläre Begleitsymptome (Palpitationen, Arrhythmien, retrosternaler Druck) geachtet werden [7].
- Empfehlung 2Bei der Anamneseerhebung sollte immer nach dem „Timing“ (Häufigkeit, Akuität, Dauer einzelner Episoden), Triggern (Provokations‑/Exazerbationsfaktoren), Begleitsymptomen sowie der aktuellen Medikation gefragt werden.
- Empfehlung 3Die Qualität der Schwindelbeschwerden darf nicht zum Ausschluss einzelner Differenzialdiagnosen führen.
Ohruntersuchung
- Empfehlung 4Die HINTS(plus)-Tests sind nur bei Patient:innen mit AVS (d. h. mit Spontan- oder Blickrichtungsnystagmus und persistierender Schwindelsymptomatik) diagnostisch trennscharf zwischen peripheren und zentralen Ursachen. Liegt kein Nystagmus vor (AIS), so sollte primär die graduierte Prüfung der Stand‑/Gangfunktion erfolgen.
- Empfehlung 5Lagerungsmanöver sind insbesondere, aber nicht ausschließlich bei Patient:innen mit intermittierendem, positionsabhängigem Schwindel zu empfehlen. Dabei sollten die posterioren und lateralen Bogengänge geprüft werden.
- Empfehlung 6Es sollte eine neurologische Untersuchung sowie eine Otoskopie und orientierende Prüfung des Gehörs erfolgen.
Chronisches vestibuläres Syndrom
- Empfehlung 7Beim BPLS sollten Repositionsmanöver (Semont plus/Epley für den posterioren BG; Gufoni/Barbecue für den lateralen BG) durchgeführt werden.
- Empfehlung 8Bei Verdacht auf Schlaganfall ist die notfallmäßige Zuweisung zur nächstgelegenen Stroke Unit essenziell, bei einem akuten Thiaminmangel die hochdosierte B1-Supplementation vordringlich.
- Empfehlung 9Antivertiginosa/Antiemetika sollten auf eine Therapiedauer von max. 2–3 Tage begrenzt werden.
- Empfehlung 10Die Behandlung der vestibulären Migräne, des M. Menière und auch des funktionellen Schwindels sollte in spezialärztlicher Absprache erfolgen.
Zusammenfassung
Hintergrund: Schwindel ist eines der häufigsten Leitsymptome in der klinischen Praxis, die Differenzialdiagnose stellt oftmals eine Herausforderung dar.
Ziel der Arbeit: Die vorliegende Arbeit soll praxisorientierte und evidenzbasierte Empfehlungen zur Erstdiagnostik und -therapie von Schwindelsyndromen vermitteln.
Material und Methoden: Der Konsensus einer interdisziplinären Arbeitsgruppe im Nachgang an eine Umfrage unter Schweizer Primärversorger:innen und Spezialist:innen (HNO, Neurologie) zu Diagnostik und Therapie bei Schwindel sowie die Ergebnisse einer Literaturrecherche in PubMed bis Oktober 2024 werden präsentiert.
Ergebnisse und Schlussfolgerung: Eine strukturierte Anamnese und klinisch-neurootologische Untersuchung bilden die Grundlage für die Differenzialdiagnose der verschiedenen akuten (AVS) episodischen (EVS) und chronischen (CVS) vestibulären Syndrome (AVS: z. B. Schlaganfall oder akute unilaterale Vestibulopathie; EVS: z. B. benigner paroxysmaler Lagerungsschwindel [BPLS], M. Menière, vestibuläre Migräne, Vestibularisparoxysmie; CVS: z. B. bilaterale Vestibulopathie, „persistent postural perceptual dizziness“). Der vorliegende Artikel enthält Übersichten zu (i.) „red flags“ für eine potenziell gefährliche Ursache bei Patient:innen mit akutem Schwindel/Gangunsicherheit, (ii.) essenziellen klinisch-neurootologischen Untersuchungen bei Schwindel, (iii.) den Lagerungs- und Repositionsmanövern für BPLS der posterioren und lateralen Bogengänge und (iv.) den wichtigsten therapeutischen Ansätzen bei den o. g. vestibulären Syndromen sowie (v.) die „Top-10-Empfehlungen“ zu Anamnese, Diagnose und Therapie von Schwindelerkrankungen in der klinischen Praxis. Diese Zusammenstellung möge Ärzt:innen unterschiedlicher Disziplinen als tägliches „Vademecum“ bei der Erstdiagnose und -therapie von Schwindelerkrankungen dienen.
Zusatzmaterial online: Die Online-Version dieses Beitrags (10.1007/s00106-025-01598-0) enthält Tab. S1 und Abb. S1–S2.
Inhalt der Originalpublikation
Die Kapitelüberschriften des Originals.
- Vorbemerkung
- Häufigkeit
- Diagnostik
- Anamnese
- Klinische Untersuchung bei akutem Schwindel
- Prüfung von HINTS sowie der Stand- und Gangfunktion
- Klinische Untersuchung bei spontanem episodischem oder chronischem Schwindel
- Lagerungsmanöver
- Ohruntersuchung
- Therapieprinzipien
- Wichtigste Schwindelsyndrome
- Akutes vestibuläres/akutes Imbalance-Syndrom
- Episodisches vestibuläres Syndrom
- Chronisches vestibuläres Syndrom
- Ausblick
- Fazit für die Praxis
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